CHAINSTEP-Branchen-Spotlight: Supply Chain Management und Transportlogistik


Lange Lunte, großer Knall – so in etwa lassen sich der derzeitige Zwischenstand als auch die Potenziale bei der Digitalisierung der Logistikbranche beschreiben. Neben den Megathemen Autonome Systeme (fahrerlose Transportfahrzeuge, Drohnen), IT (Infrastructure/Plattform/Software as a Service), Datenerhebung (Sensoren, RFID), Assistenzsysteme (AR/VR, Pick by Light/Voice) klopft nun mit der Blockchain-Technologie die nächste Herausforderung an. CHAINSTEP stellt die wichtigsten Usecases aus den Bereichen Supply Chain Management und Transportlogistik vor.

 

Enterprise Blockchains
Öffentliche und Enterprise Blockchains können sich im erheblichen Maße unterscheiden. Das machen sich u.a. Techgiganten wie IBM zu nutzen, die auf Basis der von der Linux Foundation entwickelten Hyperledger-Blockchain eigene Blockchain-Cloud-Services bereitstellen. User können darüber Interfaces, Anwendungen und APIs programmieren. Der weltgrößte Container-Reeder Maersk nutzte bei seinem vielbeachteten Blockchain-Prototypen die IBM-Architektur. Auch die chinesische SCM-Firma Hejia versucht mithilfe des Unternehmens die Finanzierung im Gesundheitsbereich zu verbessern.

CHAINSTEP-Einschätzung: IBM fokussiert auf Enterprise Blockchain-Lösungen. Hierdurch werden nicht die kompletten Merkmale eines Blockchain-Systems genutzt, für B2B-Anwendungen – vor allem aus dem Bereich Tracking&Tracing ist dies jedoch oft ein sinnvoller Ansatz.

 

Auch der Handelskonzern Walmart setzt bei der Erforschung der Blockchain auf die Expertise von IBM. So betreiben die beiden Konzerne seit vergangenem Herbst drei Nodes, um die Herkunft von Schweinefleisch in China besser verfolgen zu können. Schon bei zehn Nodes sollen Einsparungen in Milliardenhöhe die Folge sein. Zudem nutzt Walmart die Blockchain-Technik beim Tracken von Lieferdrohnen und überwacht u.a. Standort, Temperatur, kritische Schwellenwerte und Übergabepunkte.

CHAINSTEP-Einschätzung: Walmart hat verstanden, dass Blockchains sowohl bestehende Geschäftsmodelle optimieren können als auch völlig neue Geschäftsfelder erschließen können.

 

Microsoft positioniert sich mit dem Projekt „Manifest“ und durch Zusammenarbeit mit dem Startup Mojix ebenfalls im Supply Chain-Umfeld. Durch RFID, Bluetooth oder GPS Sensoren generierte Daten werden in dem Projekt über die Blockchain abgesichert und helfen, Kosten für Audits, Versicherungen, Finanzierungen oder Schadensersatz zu minimieren. Die Projektteilnehmer gehen davon aus, dass die derzeit erzielten Einsparungen ausreichen, um die weitere technische Entwicklung voranzutreiben.

CHAINSTEP-Einschätzung: Noch befindet sich „Manifest“ in einem frühen Stadium. Auch bleibt abzuwarten, welche Ansätze sich bei der Kombination von Identifiern wie RFID und der  Blockchain innerhalb der Supply Chain durchsetzen.

 

Blockchains als neue Plattformen
essDOCS kümmert sich für mehr als 18.000 Kunden aus 167 Ländern um die Realisierung papierloser Lösungen für Handel, Finanzen und Logistik. Im März 2017 verkündete das Unternehmen, nun an einem Prototypen zu arbeiten, der die ursprünglich elektronisch vorhandenen Frachtdaten auf einen verteilten (und somit sicheren, günstigeren und weniger fehleranfälligen) Blockchain-Ledger bringt.

CHAINSTEP-Einschätzung: Um ihr Geschäftsmodell zu behaupten, greifen immer mehr Plattform-Anbieter zur Implementierung von Blockchain-Lösungen. Das erhöht das Risiko für bislang wenig digitalisierte Branchen und Unternehmen, Marktanteile zu verlieren.

 

Doch noch sind bestehende öffentliche Blockchains technisch nicht dafür ausgelegt, um beispielsweise eine massenhafte Maschinen-zu-Maschine-Kommunikation im Internet der Dinge zuzulassen. Skuchain nimmt sich diesem Problem an, indem es Supply-Chain-Sensorendaten (bsp. Temperaturschwankungen) erst aggregiert, ehe Ereignisse auf einer Blockchain ausgelöst werden. Das Unternehmen will die gesammelten Daten vermarkten und ihren Partnern damit im Warenverkehr ein Plus an Effizienz und Transparenz zu ermöglichen.

CHAINSTEP-Einschätzung: Skuchain ist nur ein Beispiel, wie Betreiber aus fremden Branchen – kein Teammitglied hat Logistikerfahrung – plötzlich relevant werden können. Zudem berücksichtigt die Lösung die aktuelle technische Entwicklung.

 

Provenance ist ein britisches Tech-Startup, welches Einzelhändlern und Marken mittels Blockchain die Möglichkeit eröffnet, Transparenz und Datenintegrität innerhalb von Lieferketten zu erhöhen. Konkret können Händler Kunden am POS nahezu in Echtzeit aktuelle Informationen zum Produkt anzeigen sowie Produzentzen die Authentizität ihrer Erzeugnisse und Zutaten nachweisen. Jedes Produkt bekommt dadurch eine (digitale) Story.

CHAINSTEP-Einschätzung: Provenance ist ein großes Versprechen für die Übertragung von Fair-Trade-Prinzipien auf die restliche Produktion von Lebensmitteln und Waren. Supply Chains werden zur Basis von Vertrauen.

 

Bereits einen Schritt weiter ist AgriDigital. Die Firma setzte bereits im Dezember 2016 den ersten Live-Trade von Getreide über eine Blockchain um. Bauern haben das Problem, dass sie oft nicht wissen, wann, zu welchem Preis und ob sie überhaupt für ihre Produkte bezahlt werden – das will das australische Unternehmen ändern. 2017 soll ein Blockchain-basiertes Produkt auf den Markt kommen, welches Datensätze aus der Supply Chain für Käufer und Verbraucher sichtbar macht.

CHAINSTEP-Einschätzung: Die Lösung hat das Potenzial, die Kräfteverhältnisse in der Agrarindustrie weg von den Konzernen hin zu Produzenten und Konsumenten verschieben. Beide profitieren von einem Plus an Transparenz und Vertrauen.

 

Blockchain-Projekte an europäischen Häfen
In den Niederlanden haben sich die TU Delf, ABN-Amro, der Hafen Rotterdam, Royal Floral Holland, Smart Port und elf weitere Partner in einem Konsortium zusammengefunden, um konkrete Blockchain-Projekte im Logistiksektor umzusetzen. Insgesamt stehen seit dem Start im November 2016 für eine Projektlaufzeit von zwei Jahren insgesamt 2,2 Millionen Euro zur Verfügung. U.a. geht es um die Finanzierung von Blockchain-Implementierungen sowie an verschiedenen Stellen der Supply Chain.

CHAINSTEP-Einschätzung: Die maritime Wirtschaft in Europa diskutiert nicht mehr nur über das Blockchain-Potenzial, sondern ist dabei, in konkreten Projekten Taten folgen zu lassen.

 

Die Häfen von Antwerpen und Singapur haben begonnen, eine Blockchain-Lösung zu betreiben, die Truckern, Verladern und anderen Parteien größere Sicherheit bei der Koordination der Containerfreigabe bietet. Derzeit wird der PIN-Code bei der Übergabe der Container unverschlüsselt übertragen – das soll der Einsatz der Blockchain ändern. Zudem will der Zusammenschluss beider Häfen die Kosten senken und prozessverteuernde Intermediäre aus dem Spiel nehmen.

CHAINSTEP-Einschätzung: Bis zu 50 Prozent Kostenersparnis in der Frachtlogistik sind in verlockender Bonus für die Implementierung von Blockchain-Technologie. Gewinner werden aber die Häfen sein, die darüber hinaus noch neue Geschäftsfelder mit Blockchain-Unterstützung entwickeln.

 

Öffentlich geförderte Blockchain-Konsortien
Die finnische Stadt Kouvola erhält insgesamt 2,4 Mio Euro aus einem Fonds der EU zur Finanzierung von grenzüberschreitenden Kooperationsprojekten zwischen Finnland, Estland, Lettland und Schweden. Seit Herbst 2016 wird mit IBM/Hyperledger an der Entwicklung an einer globalen Blockchain-Lösung für die Logistikbranche gearbeitet: Frachtcontainer sollen intelligent werden und mittels Smart Contracts eigene Entscheidungen in Bezug auf Routenplanungen und Ausschreibungen treffen können.

CHAINSTEP-Einschätzung: Bei der Digitalisierung gewinnt nicht unbedingt die cleverste Idee, sondern wer am schnellsten in die Umsetzung kommt und ebenso schnell immer wieder dazulernt.


Eine Herausforderung in der transport- und Logistikbranche ist, dass dem digitalen Frachtbrief nicht ausreichend vertraut wird. Mangelnde Standards, Medienbrüche und zahlreiche Schnittstellen/Softwareinseln verhindern bislang  automatisierte Prozesse, vor allem für multimodale Verkehrwege,  und sorgen für Milliardenkosten durch Transportverzögerungen. Aktuell wird in Hamburg mit “
HANSEBLOC” ein vom Bundesministerium für Forschung und Bildung gefördertes Projekt auf den Weg gebracht, welches sich unter Nutzung von Blockchain genau dieser Probleme annehmen will.

CHAINSTEP-Disclaimer: CHAINSTEP ist bei HANSEBLOC zusammen mit  Partnern an der Bedarfsanalyse beteiligt und möchte  zur Erstellung der Systemarchitektur beitragen. Wir hoffen, damit einen wichtigen Baustein zur Digitalisierung der deutschen Wirtschaft zu leisten.

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