Es wird viel geredet über Blockchain und Transportlogistik, aber nur selten sprechen die Branchenteilnehmer öffentlich über Ihre Einschätzungen, Pläne und Projekte. Durch das Engagement von Handelskammer Hamburg, Logistik-Initiative Hamburg e.V., der Bundesvereinigung Logistik, der Deutschen Verkehrs-Zeitung und dem Innovationsforum Blockchain gelang es jedoch Mitte September bei einem Meetup, einen Einblick in die Zukunftswerkstatt der Logistik werfen zu können.

Martin Araman (Geschäftsführer Sovereign Speed) ist zusammen mit CHAINSTEP Teil des HANSEBLOC-Konsortiums und zeigte in seinem Vortrag einen mehrminütigen Film, der den Status Quo in der Luftfrachtlogistik skizzierte. Um beispielsweise Ware von Hamburg nach Los Angeles zu senden, sind alleine auf deutscher Seite bis zu zehn Dienstleister involviert; in den USA wiederholt sich dieser Vorgang. Viele davon werden noch auf Papier abgewickelt. „Wir arbeiten die kommenden drei Jahre bei HANSEBLOC in unserem Konsortium am digitalen Frachtbrief. Ich hoffe, dass der Film dann nur noch 30 Sekunden dauert“, resümierte Araman am Ende seiner Ausführungen. Zuvor hatte Frank Bolten in seinem Vortrag die wichtigsten Grundlagen der Blockchain-Technologie erläutert und wichtige Usecases aus den Bereichen Supply Chain und Transportlogistik präsentiert (Lesen Sie dazu auch unser Branchen-Spotlight Logistik).

Florian Seffert (Imperial Logistics International B. V. & Co. KG) gab einen Einblick in die Blockchain-Aktivitäten des internationalen Schwergewichts der Logistik-Branche. So habe man sich frühzeitig für Ethereum interessiert und neben demAufbau eigener Nodes auch Transaktionen durchgeführt. Die Firma aus Südafrika hofft konkret aus zwei Usecases Businessmodelle entwickeln zu können: Zum einen geht es um den Gütertransport, der durch Ethereum effizienter gestaltet werden könnte, zum anderen um das Warehouse-Management. Je nachdem, ob Zeitfenster, Temperaturen oder Routen eingehalten werden, würden Smart Contracts Bonus- oder Malus-Transaktionen initiieren. „Jeder Logistiker braucht ein Supply Chain-Protokoll auf der Blockchain“, unterstrich Seffert.

In der folgenden Paneldiskussion – geleitet von Harald Ehren (Chefredakteur Deutsche Verkehr-Zeitung) – hielten sich Enthusiasmus und Realismus bezüglich der Blockchain die Waage. Dieter Spark (DAKOSY, Vorstand) geht zwar davon aus, dass die Technologie – wenn sie auch nur im geringem Umfang das umsetze, was sie verspreche – ein Erfolg werde. Allerdings schränkte der CVO danach ein: „Hier denke ich vor allem an die Bereiche Banken, Finanzen, IoT und Immobilien. Für den Logistikbereich kann die Blockchain noch nicht Antworten auf alle Fragen bieten, bsp. zu Potenzialen und Kosten“. Hendrik Roreger (Digitale Konzepte und Beratung HPA) äußerte ähnliche Gedanken: „Das Potenzial für globale Veränderungen ist auf jeden Fall gegeben. Wir such aber noch nach Möglichkeiten, lokale Umsetzungen zu ermöglichen.“ Das heißt jedoch nicht, dass die Blockchain uninteressant sei. „Alleine schon deshalb, weil die Technik unsere Stakeholder und Kunden ziemlich wahrscheinlich beeinflussen wird, müssen wir uns damit beschäftigen“, ergänzte der Manager. Frank Bolten nahm diesen Faden auf und erläuterte, dass die Entwicklung von Blockchain-Lösungen für einzelne Unternehmen keine Sinn machen. Das Gebot der Stunde seien gemeinsame, branchenübergreifende Lösungen. Um die hochkomplexen Prozesse jedoch bewältigen zu können, brauche man „die Kompetenz aus der Realwirtschaft.“

Florian Seffert berichtete auf Nachfrage von Harald Ehren, wie er den Spagat schaffe, im Berliner Sony-Center generierte Digitalisierungsideen auf das eher klassische Geschäft der Binnenschifffahrt zu übertragen. Dabei unterstrich der gelernte Entwickler, dass alle Unternehmen nun einen Weg finden müssten, sich mit dem digitalen Wandel auseinanderzusetzen. Es reiche nicht, einfach nur ein paar tolle Ideen zu entwickeln und weiter abzuwarten. „Meine große Herausforderung ist jedoch, mit welcher Schnelligkeit neue Innovationen aufkommen und geprüft werden müssen“. Martin Araman äußerte in seinem Statement dann auch noch einmal Verwunderung darüber, dass es im Jahr 2017 in der Luftfracht noch Dokumententouren gebe, bei denen Mitarbeiter wichtige Unterlagen mit dem Auto zwischen den beteiligten Firmen verteilen. „Wir wollen unsere Prozesse weiter optimieren und hoffen, dass uns die Blockchain dabei von Hilfe sein wird“, so der Geschäftsführer auf dem Panel.

Hier noch ein guter Artikel von Andreas Müller für das Magazin der der Handelskammer Hamburg. Einzig die Nennung des Haupt-Veranstalters des Meetups – Innovationsforum Blockchain – fehlt in dem Text. 
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