Im Jahr 2017 gab es einen regelrechten „Run“ auf Informationen zu Bitcoin und Blockchain, die Zahl der Suchanfragen stieg jeweils um mehrere 100 %. Der Wert aller Kryptowährungen – neben der mit Abstand führenden Kryptowährung Bitcoin gibt es noch über 1000 weitere Kryptowährungen – vervierzigfachte sich binnen Jahresfrist, nicht Wenige erinnerte dies an die Zeit des Goldrauschs im 19. Jahrhundert.

Inzwischen hat sich die Aufgeregtheit rund um die Kontowährungen beruhigt, die zum Jahreswechsel 2017/2018 offensichtlich deutlich überhitzte Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen (Anfang Januar war dies ein Betrag von über 800 Milliarden USD) ist per Ende September 2018 auf einen Wert von etwas über 200 Milliarden USD zurückgegangen. Das mag nach einem echten Crash aussehen, aber zum einen ist der Markt der Kryptowährungen traditionell sehr volatil und zum anderen bedeuten diese 200 Milliarden USD immer noch eine Steigerung von mehr als 1.000 % gegenüber dem Wert von Anfang 2017.

Neben den Kryptowährungen rücken nun immer mehr die Möglichkeiten der den Kryptowährungen zugrunde liegenden Blockchain-Technologie in den Mittelpunkt des Interesses. Denn: mit der genialen Kombination von verschiedenen Technologien, die man heute Blockchain nennt, ist es möglich, direkt, ohne den Einsatz von Intermediären, Werte über das Internet von einem Punkt an einen anderen Punkt sicher zu übertragen. Und dies ist natürlich vor allem in der Geschäftswelt von hohem Interesse.

Bitcoin war die erste Applikation auf Blockchain-Technologie, inzwischen hat sich das Technologiefeld in einer extremen Geschwindigkeit weiterentwickelt und professionalisiert. Ein wichtiger Schritt für die Entwicklung des Technologiefeldes war der Launch von Ethereum im Jahr 2015. Durch sogenannte Smart Contracts werden erweiterte Möglichkeiten geboten, Geschäftsabläufe zu automatisieren und somit sicherer, schneller und effizienter zu gestalten.

Ethereum hat heute die mit Abstand größte Entwickler-Community, viele Unternehmen haben erfolgreich erste Tests und Prototypen abgeschlossen. Es ist zu erwarten, dass in den Jahren 2018/2019 die Zahl, der auf Ethereum-basierten Unternehmens-Anwendungen deutlich zunehmen.

Es gibt mehrere sehr vielversprechende weitergehende Entwicklungen im Blockchain-Bereich, die die heute noch bestehenden Herausforderungen der Blockchain-Technologie (u.a. Transaktionsvolumen und -geschwindigkeit) sukzessive lösen wollen. An dieser Stelle verzichten wir jedoch darauf, auf diese weiteren Entwicklung einzugehen.

Bitcoin und Ethereum sind sogenannte „öffentliche Blockchains“, auch „public blockchains“ genannt. Bei öffentlichen Blockchains existieren keine Zugangsbeschränkungen – jeder, der möchte, kann bei dem verteilten System Daten schreiben und lesen. Im englischen wird dies „permissionless“ – also ohne Zugangsbeschränkungen – genannt. Dieser Blockchain-Typ gilt als die sicherste Art Daten unveränderbar zu speichern.

Doch diese Öffentlichkeit wird für viele Geschäftsanwendungen abgelehnt, verständlicherweise soll eben nicht jeder sehen können, wer mit welcher Firma welche Geschäfte macht. Vor diesem Hintergrund wurde die Variante einer „Enterprise Blockchain“ (auch „private blockchain“ oder „permissioned blockchain“ genannt) entwickelt. Hierbei sind Zugangsregeln und Abläufe entsprechend der gewollten Abläufe festgelegt, es gibt also – anders als bei öffentlichen Blockchains – zentrale Entitäten, die das Regelwerk festlegen. Bei führenden Enterprise Blockchains, wie zum Beispiel Hyperledger, eine innerhalb der Linux-Foundation entwickelte Enterprise-Blockchain, gibt es auch die Möglichkeit Smart Contracts zu programmieren.

Für etliche Geschäftsabläufe reichen die Möglichkeiten der Enterprise Blockchain vollkommen aus, im Prinzip kann man mit derartigen Systemen Datenbestände sicher synchronisieren und Geschäftsabläufe automatisieren. Allerdings ist die Sicherheit dieser Enterprise Blockchains nicht auf dem selben hohen Niveau wie bei öffentlichen Blockchains.

Inzwischen wurden für die oben beschriebenen Anforderungen bezüglich Vertraulichkeit von Transaktionen sowie weiteren Unternehmens-spezifischen Voraussetzung für öffentliche Blockchains inzwischen sehr gute Lösung entwickelt. Des Weiteren sind die aufkommenden Möglichkeiten der sogenannten Token-basierten Ökonomie, bei der in öffentlichen Blockchain-Systemen verschiedenste Assets ein digitales Abbild auf Blockchain-System erhalten, mit Enterprise Blockchains vermutlich nicht im gleichen Umfang umsetzbar.  Es wird interessant sein zu erleben, welche der beiden Blockchain-Philosophien im Unternehmensumfeld welchen Anteil haben wird: die der klassischem Enterprise-Philosophie folgenden Enterprise Blockchains oder die Philosophie verteilter Strukturen und Netzwerke öffentlicher Blockchains.

In den wenigen Jahren, seitdem Bitcoin als erste Blockchain-Applikation das Licht der digitalen Welt erblickte (2009), wurden die Möglichkeiten und die Relevanz Blockchain-Technologien gerade für die Geschäftswelt immer besser verstanden. Nun sind wir in der Phase, dass gut verstanden werden muss, wie man derartige verteilte System am effektivsten einsetzen kann. Eins wird immer klarer: neben der verteilten Datenhaltung wird vermutlich der Weg zu einer verteilten Verantwortung ein solches System die meiste Kraft verleihen. in Zeiten fortschreitender Globalisierung wird Blockchain eine wichtige und vermutlich entscheidende Technologie sein um Kollaborationen in der Wirtschaft voranzubringen.